19. Oktober 2021

Frau Gohl

Frau Gohl ist seit dem Jahr 2003 Lehrerin für die Fächer Politische Bildung und Geschichte am Gymnasium Finow. Sie sieht es, besonders durch die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, als wichtig an, mit offenen Augen durch das Leben zu gehen und aufmerksam am Ball zu bleiben. Sowohl in der Schule, als auch im Alltag. Frau Gohl ist außerdem der Meinung, dass nicht unbedingt die Schüler*innen mit den besten Noten auch automatisch die besten Schüler*innen sind. Für sie zählt vor allem Sozialkompetenz und das Interesse am Unterricht. Dieses werdet ihr aber nicht so leicht verlieren, weil Frau Gohls Unterricht anschaulich ist und oft in Gruppen gearbeitet wird. So kann man sich eine klare Meinung und ein Urteilsvermögen aufbauen. Wenn ihr also später im gesellschaftlichen Leben mitbestimmen möchtet, bereitet euch der Unterricht von Frau Gohl bestens vor. Um mehr über ihre Sichtweisen auf den Unterricht und das Schulgeschehen zu erfahren, treffe ich meine PB-Lehrerin in einer Pause…

Erinnern Sie sich noch an ihre erste Woche am Gymnasium Finow und wenn ja, an was? 
Also wie jetzt konkret die erste Woche war, kann ich nicht sagen. Ich war im Jahr 2003 das erste Mal hier an der Schule für ein Schuljahr als Vertretungslehrerin. 2003 heißt, ich hatte eineinhalb Jahre vorher meinen Abschluss gemacht, war praktisch noch ganz frisch in dem Beruf. Das Schuljahr hatte schon begonnen und ich bin zu einem späteren Zeitpunkt hergekommen, weil durch den Wegfall einer Lehrerin jemand gesucht wurde. Ich bin im übertragenen Sinne gleich ins kalte Wasser geschmissen worden. Denn ich habe ein Tutorium 12 übernommen und hatte komplett die volle Stundenzahl, also 26 Stunden waren das damals noch. Das hatte ich so noch nicht unterrichtet und auch nicht im Abiturbereich. Deswegen bin ich mit Respekt an die Sache herangegangen. Man muss sich vorstellen, ich hatte im Unterricht 300 neue Schüler, 300 neue Namen, die ich lernen musste, hatte 30 neue Kollegen und Gegebenheiten, die ich nicht kannte. Ich war vom Alter her mit Abstand die Jüngste, die sich hier eingefunden hat und musste da erstmal die Hemmschwelle ablegen, nun die Lehrerin und nicht mehr die Stundentin zu sein. Aber ich bin hier super aufgenommen worden, hatte viel Unterstützung und trotz der Anstrengung ein sehr schönes Jahr. Und das war natürlich noch alles möglich, da ich noch keine Familie hatte. Somit konnte ich 150% geben. Also schlussendlich kann man sagen: Es war spannend.

Spannend wird es ja auch für die neuen 7. Klassen, die an die Schule kommen. Welchen Tipp würden Sie den neuen Schülerinnen und Schülern hier am Gymnasium geben?
Auf jeden Fall Fragen stellen. Sie sollen keine Angst haben, Lehrer*innen oder Schüler*innen zu fragen. Auch wenn sie auf dem Flur stehen und nicht wissen wo der Raum ist, sollten sie sich trauen nachzufragen und generell neugierig bleiben. Außerdem ist es wichtig, nicht zu hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen. Denn natürlich gibt es eine Veränderung vom Zeugnis Klasse 6 auf Klasse 7. Das ist normal. In der Grundschule ist es Vielen relativ einfach gefallen, Einsen zu bekommen. Das wird sich jetzt hier ein bisschen aufspalten. Aber deshalb ist man kein schlechter Schüler und deshalb sollte man auch nicht aufgeben. Es ist wichtig, sich Zeit zu geben, sich an die neuen Gegebenheiten zu gewöhnen. Sehr wichtig ist außerdem das mündliche Mitarbeiten.”

Und was sind in diesem Zusammenhang die besten Eigenschaften, die einen guten Schüler ausmachen? 
Diese Frage ist wirklich schwer zu beantworten. Denn, wenn man von der Definition ausgeht, ist ein guter Schüler der, der Einsen und Zweien hat. Aber macht das auch, zum jetzigen Zeitpunkt, als auch später, einen guten Menschen aus? Also Diejenigen, die einen Einser- Abschluss an der Uni haben, sind diese deshalb die besseren Menschen oder können sie irgendetwas besser? Das ist fraglich, denke ich. Gerade in diesem Konzept, in dem man in Noten reingedrängt wird. Für mich macht einen guten Schüler aus, dass er interessiert ist, dass er neugierig ist, vor allem aber, dass er Sozialkompetenz hat. Also dass er, wenn er mir auf dem Flur begegnet „Guten Tag“ sagt und wenn er mit mir redet, nicht du sagt, sondern Sie sagt.

Aber Sozialkompetenz ist auch im Umgang mit andern wichtig und das hängt sehr stark mit sozialem Engagement zusammen. Also nicht einfach bloß mitlaufen oder sitzen und nichts tun, sondern sich selber engagieren. Das ist für mich wichtig. Und gerade aufgrund meiner gesellschaftswissenschaftlichen Fächer macht für mich einen guten Schüler aus, dass er in er Lage ist, sich zu bestimmten Dingen eine Meinung zu bilden, auch wenn diese konträr ist. Es geht darum, Urteilsvermögen zu haben. Und ob er nun eine Eins hat oder eine Drei, das ist mir dann an der Stelle völlig egal.”

Auch im Hinblick auf die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, die Sie unterrichten, bezüglich Geschichte: Denken Sie dass es ein pures Lernfach ist oder, dass man Geschichte verstehen muss?
Sowohl als auch. Also man muss natürlich Grundlagen und Fakten lernen, Zahlen wissen und Zusammenhänge erfassen können. Und dazu muss man es beurteilen können. Ohne Fakten kann man nicht beurteilen und deshalb denke ich, dass beides zutrifft.

Und in Bezug auf politische Bildung: Für viele Schüler*innen ist es ja ein ziemlich schwieriges Fach. Was wäre Ihr Tipp wie man trotzdem punkten kann?
Es hört sich jetzt ein bisschen geschwollen an, aber mit offenen Augen durch das Leben gehen. Also rechts und links gucken und eben nicht, wenn man eine Zeitung sieht schreien; „Oh Gott!“. Und wegrennen, sondern vielleicht auch mal die Zeitung aufblättern. Oder, wenn man sein Handy einschaltet und dort Nachrichten sieht, diese nicht gleich wegklicken und zu Instagram und Co. wechseln, sondern auch mal drüberlesen. Außerdem sollte man interessiert sein, neugierig sein und Gespräche mit Eltern oder Großeltern suchen, um verschiede Themen besser zu beleuchten. Die Welt hat so viel an Themen zu bieten. Und in diesem Hinblick kann man dieses Überangebot an Medien auch einfach nutzen. Wenn man jetzt also die Eilmeldung bekommt: „Das Kapitol wird gestürmt!“ Dann kann man ja mal nachlesen. Und dann denke ich, ist das überhaupt kein schwieriges Fach.

Und wenn man später vor der Wahl steht PB in der Oberstufe zu belegen, warum sollte man sich aus Ihrer Sicht dafür entscheiden? Worin liegen die Vorteile? 
Weil man damit in der Lage ist, die Welt, die Gesellschaft und das Land, in dem man lebt, besser zu verstehen. Und sich aufgrund von Basis- und Faktenwissen wirklich Meinungen bilden kann und nicht nur Stammtischparolen weitergibt und sich damit sein Leben aufbaut. Gut ist es, kritisch zu sein. Man kann immer kritisieren, aber wenn man diskutieren und etwas verändern will, dann muss man wissen, worüber man spricht. Deswegen ist es für mich einfach ein sehr grundlegendes Fach, weil man ganz viel meckern und immer alles schlecht finden kann, aber nichts verändern kann, wenn man nicht weiß, worum es überhaupt geht.”

Zu guter Letzt noch drei Entweder-Oder-Fragen:

Auf jeden Fall Karikatur 🖼”

Extra 3 privat, im Unterricht die Heute-show 🎦”

Beides, denn ohne geht das Leben nicht.
Also tagsüber eher Schokolade, um die Akkus aufzuladen und Abends beim Fernsehen eher Chips. 🍫🥠”